Klarer Start ins neue Jahr

Nachdem wir notgedrungen 2018 ohne neue Aufnahmen im Dezember beendet hatten, konnte das neue Jahr theoretisch nur besser starten. Und wir hatten bzw. ich hatte tatsächlich das Glück und Vergnügen am Zweiten der 365 Tage in einen wolkenfreien Himmel zu schauen.


Der Winter hatte zwar keinen Schnee mitgebracht, dennoch war es sehr frostig, aber eine so lange erwartete Chance lasse ich mir nicht aufgrund von geringen Temperaturen entgehen (wir waren außerdem schon Kälteres gewöhnt). Also habe ich mich schnell wetterfest angezogen und das Equipment zusammengepackt; die Akkus waren trotz oder gerade wegen der längeren Nichtnutzung noch voll. Somit stande ich bei schwachen Plusgraden mit DSLR & Teleobjektiv ausgestattet unterm Sternenfirmament und machte mich dran Selbiges anzuvisieren.


Die kalte Jahreszeit bietet Anblick auf einen „alten Bekannten“: Orion. Das Wintersternbild ist eines der größten seiner Art sowohl in bedeckender Fläche als auch Sternenzahl. Leicht auffindbar ist diese Konstellation nicht nur durch seinen Maßstab, aber auch durch den nächstgelegen Stern Sirius, der sich durch sein Blinken auszeichnet.


Außen die 4 Sterne Beteigeuze, Bellatrix, Rigel, Saiph und innen der bekannte Oriongürtel

Auf Selbigem hatte ich es abgesehen, denn unsichtbar für das bloße menschliche Auge befindet sich dort eine Sternengeburtsstätte, ein kosmischer Nebel. Der passsender Weise benannte Orionnebel (M42 / NGC1976) zeigt seine Ausmaße erst bei ausreichender Belichtungszeit und darauf angepasstem ISO. Das sorgt ohne eine Nachführung schnell für Startrails, welche zwar auch ein schönes Motiv ergeben, aber nicht das heutige ist.


Ein weiterer Faktor ist der Fokus: Als Richtlinie sollte man an einer paar hundert Meter entfernten Lichtquelle fokussieren, sodass auch am Himmel alles scharf erkennbar wird. Einziges persönliches Manko: An Straßenlaternen mangelt es nicht (blöde Lichtverschmutzung), jedoch sind diese in etwa 50m Luftlinie entfernt und taugen daher leider nicht. Also musste ich erstmal einen groben Fokus einstellen (dabei half die Laterne dann doch), um dann Millimeter für Millimeter und Foto für Foto die richtige Feinabstimmung zu finden. Kein leichtes Unterfangen, aber ist die Belohnung aller Mühe wert.


Nach etlichem Austesten schaffte ich es die Schönheit des Nebels einzufangen

M42 bleibt nicht das einzige Messier-Objekt, das mein Interesse in dieser Nacht geweckt hat. Denn auch ein Anblick auf den offenen Sternhaufen M45, besser bekannt als die Plejaden, wurde geboten. Das Objekt im Nachbarsternbild Stier ist mit seinen sieben nah beieinander liegenden Sterne sehr markant. Die Problematik mit den richtigen Kameraeinstellungen kehrte zurück.


Zwar ist dieses Foto komplett unscharf, doch zeigt es die Anordnung der „Hauptsterne“ deutlich

Aufnahmen eines Sternhaufens ohne Nachführung haben ein weiteres Problem, welches bei Nebeln nicht unbedingt auffällig ist: Durch die zu geringe Belichtungszeit bzw. Lichtempfindlichkeit wird eine Vielzahl der Sterne nicht sichtbar und somit ist es augenscheinlich kein „richtiger“ Haufen.


Man könnte die Plejaden durchaus auch als „Mini-Wagen“ bezeichnen

Und somit die erste wolkenfreie Nacht des Jahres. Wollen wir doch mal hoffen, dass es nicht die Letzte sein wird! Denn unsere Leidenschaft soll ja nicht nur durch die faszinierende Theorie, sondern genauso mithilfe einer ordentlichen Portion Praxis gestillt werden, nicht wahr?

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